This page is only available in German.
Testbericht

Das HighEnd-Konzentrat

von Matthias Böde für STEREO • • Test: Acapella Fortüne

Durch probieren und verwerfen, experimentieren und feinabstimmen hat Acapellas Entwicklungschef Alfred Rudolph seine Fortüne zum HighEnd-Konzentrat gemacht. Unverdünnt nur vollständig genießbar, wenn der Rest der Kette optimal gemixt wurde.

Wer über den Duisburger Lautsprecher-Hersteller Acapella spricht, meint auch Alfred Rudolph, seit Anbeginn der Firmengeschichte 1976 Kopf und technisch-musikalisches Gewissen der Boxenentwicklung. Technisch-muskalisch deshalb, weil Rudolph es wie kaum ein zweiter versteht, technische und musikalische Parameter miteinander zu verbinden. Erklärt er seine Lautsprecher-Kreationen, unter denen das Modell Fortüne das bis dato letzte in einer langen Reihe ist, erkennt der Zuhörer schnell, daß diese beiden Bereiche im Kopf des stämmigen und doch sensiblen Zwei-Meter-Mannes fest miteinander verzahnt sind. Ihre Aspekte erläutern und kommentieren sich im Weltbild des leidenschaftlichen Inline-Skaters gegenseitig.

Bis zu dem Punkt, an dem die Technik, zumindest die Meßtechnik, an ihre Grenzen stößt. Und diese Grauzone, die sich so sehr dem objektivierbaren Zugang verschließt, ist Rudolphs eigentliches Refugium, in dem er mit alchemistischer Akribie mischt, trennt und mörsert, bis ihn das Ergebnis sozusagen fünf Stellen hinter dem Komma befriedigt. Die letzten zehn, fünf oder zwei Prozent aus dem Konzept einer Box herauszuholen, dies bildet die sinngebende Basis für Rudolphs Schaffen.

Da kann es schon mal etwas länger dauern, bis eine angekündigte Neuheit tatsächlich fertig ist. Drei Jahre etwa hat die Entwicklung der Fortüne gedauert. Vorgestellt wurde sie bereits auf der HighEnd-Messe im August ´95. Doch ihre Einführung verzögerte sich Monat um Monat. Sprach ich Rudolph zwischenzeitlich auf den Fortgang seiner Arbeit an dem Lautsprecher beziehungsweise auf ein Testpärchen an, berichtete er stets, welche Erfahrungen und Qualitätssteigerungen er in nächtelangen Hörsitzungen, in denen er immer kleinere Veränderungen vornahm, neue Dinge entdeckte und andere verwarf, erreicht hatte. Für Produktionstermine eines HiFi-Magazins hat der kompromißlose Entwickler eben kein Verständnis.

Damit nun endgültig zur Fortüne, dem eigentlichen Gegenstand dieses Berichts. Doch ohne die Vorrede wird man kaum verstehen, aus welcher "Ecke" des hiesigen High-End-Business dieser Lautsprecher stammt. Wir befinden uns hier ganz klar im Bereich der letzten zehn Prozent, die nach unserem Gusto meist 90 Prozent der Qualität ausmachen, da hier das geschieht, was eine gute HiFi-Box zum HighEnd-Lautsprecher macht, was sie aus der Alltäglichkeit des Angebots heraushebt.

  1. Zu 1 • Zubehör-Workshop einmal andersherum: Im HiFi-Exclusiv-Hörraum demonstrierte Alfred Rudolph den erstaunten Redakteuren, an welchen klangverbessernden Maßnahmen für Lautsprecher er derzeit arbeitet. Da sind zum Beispiel spezielle Unterlagen, die aus miteinander verleimten und mit Sand und Blei aufgefüllten Brettern bestehen (ganz unten). Spielte die ohnehin schon mit Spikes bewehrte Fortüne auf den Basen, nahmen Durchsichtigkeit und Strukturierung spürbar zu.
  2. Zu 2 • Obwohl das Gehäuse der Fortüne sehr solide ist, brachte die Beschwerung noch mehr Stabilität und Definition ins Klangbild. Der Duisburger denkt nun darüber nach, die Fortüne optional mit Seitenflanken aus Mamor anzubieten, was zu ähnlichen Resultaten führt.
  3. Zu 3 • Acapella beabsichigt, die Unterlagen baldmöglichst anzubieten. Ihr Preis steht noch nicht fest. Ebensowenig wie der von verschiedenen Gewichten, die einfach das Boxengehäuse beschweren und so ruhig stellen sollen. Laut Rudolph ein unverzichtbares Hilfsmittel bei der Konstruktion.
  4. Zu 4 • Die Chassis der Fortüne werden von Seas (Tiefmitteltöner) beziehungsweise Dynaudio (Hochtöner) nach den Spezifikationen von Acapella gefertigt. In Duisburg wird jedes System zudem einem harten Check unterzogen
  5. Zu 5 • Die aufwendige Frequenzweiche sitzt auf einem Brett hochkannt im Boxenfuß. Diese Position hat Rudolph als akustisch beste ermittelt. Statt Biwiring setzt Acapella auf eine Impedanzkorrektur. Die Fortüne hat deshalb nur einen Kabelanschluß

Tipps aus der Küche des "Alchemisten"

Die Flanken der Fortüne sind mit großen, an der vorderen Kante reflexionsgünstig abgerundeteten Kreisausschnitten besetzt. Das sieht nicht nur gut aus, sondern sorgt vor allem für einen "weichen" Abriß der Schallwellen vom Gehäuse. Da ihr Weg von jedem der drei eng benachbarten Chassis bis zu jedem Punkt an der hinteren, kreisförmigen Kante differiert, entsteht hier ein Zeitversatz in der Ablösung, der Inhomogenitäten in der räumlichen Abbildung verhindert.

Die Chassis selbst stammen von den skandinavischen Spezialisten Seas und Dynaudio. Sie werden allerdings nach speziellen Vorgaben von Acapella gefertigt. Bevor Rudolph sich als Alchemist betätigen kann, will er möglichst ganz genau wissen, mit welchem Material er arbeitet. Obendrein ist Mitarbeiter Udo Neeb tagein, tagaus mit dem elektrischen und akustischen Feinabgleich aller eingehenden Chassis beschäftigt. Der ist beinahe ein noch akribischer und strengerer Qualitätsfanatiker als Rudolph. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das geschlossene Gehäuse der Fortüne ist ungemein solide. Im mit Sand füllbaren unteren Teil befindet sich die aufwendige Frequenzweiche. Ihre Bauteile, an deren Zusammenstellung Rudolph bis zuletzt tüftelte, sind frei verdrahtet und per Silikonklebstoff auf einem dicken Holzbrett fixiert. Aufgrund ihrer Impedanzkorrektur hat sie nur einen Eingang.

Die ganze Konstruktion ist sehr fest und stabil, Bässe sind extrem konturiert und knackig, die Chassis bis zum Anschlagspunkt ausgesprochen verzerrungsarm. Grundtonintensive Stücke etwa von Rickie Lee Jones' CD " Pop Pop", die leicht ins "Schwimmen" geraten, kommen auch bei hohen Pegeln mit bemerkenswerter Kohärenz. Stets spielt die Fortüne konzentriert auf den Punkt und wirkt trotzdem lässig, unbeeindruckt. Der Korpus einer Gitarre ist realistisch, Männerstimmen im Hintergrund lassen sich durch Miss Jones' ernergisch-zickiges Organ, das höchste Anforderungen an die Chassis stellt, nicht verunsichern. Im Zusammenhang mit ihrer Zeitgenauigkeit (siehe Laborreport) entstehen extrem aufgeräumte, übersichtliche und substantielle Klangbilder.

Diese Konstanz ist es auch, die für die scharf fokussierte räumliche Abbildung sorgt. Ob die Basisbreite bei der Aufstellung enger oder weiter gewählt wurde, die Lautsprecher gerade abstrahlen oder eingewinkelt werden, spielt dabei kaum eine Rolle. Stets füllt sich der Raum zwischen den Boxen ohne Loch in der Mitte. So ist es möglich, das abgebildete Spektrum scharf abzugrenzen beziehungsweise cinemascopeartig aufzuziehen. Ein großer Vorteil hinsichtlich abweichender Wohnzimmer.

Natürlich hat eine derartig puristische Auslegung auch Nachteile: Fehler werden offensichtlicher, gehen eher auf die Nerven als bei einer gemütlicher abgestimmten Box. Diese Eigenschaft teilt die Fortüne etwa mit Dynaudios Boxen Diva Confidence 3. Wer diese Lautsprecher nebeneinander hört, stellt ausgeprägte Ähnlichkeiten fest. Beide mögen keine überpräsente Elektronik oder Kabel, beide wollen, daß man sich intensiv um sie bemüht, und beide können betören. Ich habe einiges an CD-Spielern, Verstärkern und Kabeln probiert. Man muß nicht unsinnig viel Geld ausgeben, um die Fortüne harmonisch anzusteuern, aber die nötige Sorgfalt walten lassen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die auf alle hochgereizten Lautsprecher zutrifft. Doch die Acapella reagiert kritischer auf die "Peripherie" als zum Beispiel HGPs Fuga, die bei aller Akkuratesse und Musikalität zahmer ist, das Klangbild wegen eines helleren Kabels nicht gleich "umkippen" läßt.

Es bedarf sicherlich einigen Versuchens und Einspielens, bevor der Klang der Fortüne einem Tränen der Freude in die Augen treibt. Es erscheint, als müsse man die Fein und Feinstarbeit Alfred Rudolphs rückwärts nachvollziehen, seine letztlich beglückenden Nachtsitzungen wiederholen. Ich habe diese "Mühe" gerne auf mich genommen und dabei eine Vorstellung bekommen, warum Rudolph die Fortüne nicht eher aus der Hand geben wollte. Sie fordert ihren Besitzer - gibt ihm aber noch mehr zurück.

Testprofil

Acapella Fortüne ab ca. DM 12000 pro Paar (der Preis kann je nach Ausführung schwanken). Die Fortüne ist ein hochgereiztes Boxenkonzept, das auf höchste Präzision und Akkuratesse getrimmt wurde. Die Wiedergabe tiefster Bässe und eine mit jeglichem Umfeld harmonisierende Lauwarm-Abstimmung waren dabei zweitrangig. Deshalb nur für tonal und räumlich gute Ketten zu empfehlen.

Cookies make it easier for us to provide you with our services. With the usage of our services you permit us to use cookies.