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Testbericht

Des Knaben Wunderhorn

Stereoplay • 03/99 • Test: Acapella Audio Arts

Wer sagt, daß Musikreproduktion nur über schwingende Pappe, flirrende Gewebe oder knorrige Metalle gelingen kann? Im tiefen Pott (Duisburg) liegt eine andere Wahrheit: Das Horn in seiner teuersten, aber auch konsequentesten Form trägt den Namen Acapella. Die Geschichte des Klangs wäre ohne das Horn verloren. Wir haben gelernt, daß selbst im Buch der Bücher Mauern ins Wanken geraten können. Wir wissen außerdem, daß Thomas Edison seinen Walzen als erstes Hörner aufsetzte. Warum die Tröte? Weil sie physikalisch das höchste Maß an Klangverstärkung garantiert. In den 20er Jahren unseres Jahrhunderts waren Exponentialhörner aus den gutbürgerlichen Wohnzimmern nicht wegzudenken, in den 40ern hielten sie sogar in den Kinos Einzug. Allein: Die highfidelen Freuden kamen mit dem Horn nicht auf, weil es zum Verengen neigte, nur einen Bruchteil des Frequenzspektrums verstärken konnte und im schlimmsten Fall nasal klang.

An diese scheinbaren Wahrheiten hatte sich auch Alfred Rudolph gewöhnt, als er 1961 noch als Architektur-Student seinen ersten Lautsprecher zimmerte: einen ambitionierten Vier-Wege-Kasten mit Standardchassis. Das Horn trat erst durch eine Initialzündung in seine Gedankenwelt. 1976 tat er sich mit Hermann Winters zusammen, und beide widmeten fortan ihr Leben einem in dieser Konsequenz unerreichten Konzept: dem authentischen Klangerlebnis aus immens schweren, raumgreifenden Horn-Architekturen. Als ein stereoplay-Tester zur Präsentation des runderneuerten Klassikers Triolon geladen wurde, bebten die Gesetze des gehobenen High End: In einer ausgemusterten Fabrikhalle thronte ein gemauertes Horn, deckenhoch und über alles rund vier Meter breit, flankiert von zwei Triolon-Satelliten – 1000 Kilo für 140000 Mark. Wer diese Kraft aufbietet, will tiefere Wahrheiten zeigen. Bei Acapella wird das Horn von falschen Bedenken befreit. Es kann in seinem hohen Verstärkungsgrad andere Chassis an die Wand spielen – in Tempo, Direktheit und feindynamischen Werten.

Die heiklen Verfärbungstendenzen haben die Duisburger bereits seit Ende der 70er Jahre im Griff – durch die "sphärische" Hornfunktion. Während konventionelle, plane Exponentialhörner extrem bündeln, strahlen die sphärischen Hörner halbkugelförmig. Ein Konzept, das sich die Acapella-Chefs zu spät patentieren ließen. Dafür arbeiten sie zur Zeit an einem neuen Quantensprung: dem ersten Hornlautsprecher, der statt der üblichen zwei bis drei bislang ungeahnte vier Oktaven umsetzen kann.

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