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Portrait

Feuer und Flamme für HighEnd

HIFIVISION • 08/95 • Test: Acapella Audio Arts

Erst wenn Kugelwellenhörner und lonenhochtöner aufspielen, wird's Hermann Winters vom Duisburger Boxenspezialisten Acapella warm ums Herz.

Der Mann ist vernünftiq, ruhig, sachlich und doch hochgradig infiziert. Mit dem HiFi-Bazillus! Seit mehr als 20 Jahren gibt es kaum einen Tag, an dem der Chef der Duisburger Lautsprecher-Schmiede Acapella nicht seiner Leidenschaft geopfert hätte: Der musikalischen Realität ein Stückchen näher zu kommen. Neben dem Kleinlautsprecher Fidelio sind es vor allem die riesigen, schweren Hornsysteme Campanile, Celestron, die HIFI VISION als Arbeitslautsprecher dienen, oder die mit einem gemauerten Baßhorn ausgerüstete Sphäron, die den Ruf der Rheinländer begründet haben. Das aktuelle Modell Violon nimmt sich gegen sie in seinen Abmessungen geradezu bescheiden aus.

Der Versuch, Parameter wie Dynamik, Auflösunq, untere Grenzfrequenz sowie Wirkungsgrad - und damit erzielbare Maximallautstärke - mit neuen Boxenkonstruktionen immer weiter auszureizen, ist für Winters Lebensaufgabe, ja Obsession. Bei der Umsetzung entwickelte Acapella Meisterschaft im Umgang mit schalldruckverstärkenden Hörnern und feinstauflösenden, von den Duisburgern auf ihre Zwecke hin optimierten lonen-Hochtönern, deren heiße Plasmaflamme kaum mehr Masse besitzt als Luft.

Aus der Diskussion, was HighEnd denn nun zu bedeuten habe, hält sich Winters, der diesen Terminus gar nicht schätzt, wohlweislich heraus. Was der Begriff für ihn umschreibt, erfährt jeder, der ein solches System einmal erlebt hat. Faszination pur. Dabei geht es indes nicht um den bloßen Krawall, sondern um die Zartheit und Sensibilität, mit der etwa ein Cembalo wirklichkeitsnah in den Raum gestellt wird, um die Souverenität bei der realistischen Abbildung großer Orchester.

Mit bloßer Materialschlacht ist es nicht getan, alle Zutaten müssen fein aufeinander abgestimmt und weit entwickelt sein, bevor der Lautsprecher "auf den Punkt" musiziert. Bei aller unbestreitbaren Gigantomanie, die viele Acapella-Projekte kennzeichnet, ist es das in Jahrzehnten gewonnene Know-how und die Sorgfalt mit Liebe für die kleinsten Details, die typische für die Duisburger Produkte sind.

Vom Stereotyp des verschlossenen High- End-Gurus, der die HiFi-"Jünger" großherzig an seiner Genialität teilhaben läßt, ist Hermann Winters, der in seiner Freizeit gerne Konzerte aufnimmt und die Mitschnitte dann in seiner Boxen-Entwicklung verwendet, meilenweit entfernt. Arrogante Gesten muß man bei ihm ebensowenig befürchten wie großsprecherische Dampfplauderei. Er freut sich eher diebisch, wenn HiFi-Fans vor seinen Lautsprechern leuchtende Augen bekommen. Sein Bekenntnis, "HighEnd ist, wenn's beim Hören richtig Spaß macht", kommt aus vollem Herzen.

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