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Testbericht

Klassenbester

von Marco Kolks für Hörerlebnis • • Test: Acapella Fondato Silenzio

Kaum eine HiFi-Gattung hat in den letzten Jahren einen so großen Innovationsschub erhalten wie der Zubehörsektor, der von Spikes bis zu komplexen Unterstellbasen reicht. Was einige notorische Zweifler gerne als Voodoo abtun, stützt sich mittlerweile auf wissenschaftliche Untersuchungen und führt vor der Produktveröffentlichung häufig gar zu Patentanmeldungen.

Mit der Basis Fondato Silenzio will nun auch Acapella, eigentlich bekannt für seine Lautsprecher, mitmischen. Beim Poker um die Gunst des Kunden wird sich so mancher Konkurrent warm anziehen müssen. Denn obwohl im wesentlichen die Karten verteilt scheinen, hält Alfred Rudolph nach meiner Meinung die besten Trümpfe in den Händen.

Der Entwickler aus Duisburg geht davon aus, daß alle Bauteile in elektronischen Geräten, die von Strom durchflossen werden, elektromagnetische Schwingungen erzeugen. Davon sind natürlich gleichermaßen Mobiltelefone, Mikrowellen, selbst Fernseher wie auch alle HiFi-Geräte betroffen. Diese Schwingungen führen je nach Aufbau und Material der Geräte zu unterschiedlich starken mechanischen Resonanzen, was wiederum die einwandfreie Funktion von Bauteilen wie Transistoren, Platinen, Netzteilen oder Röhren beeinträchtigt. Rudolph führt genau darauf eingeschränkte Dynamik und Räumlichkeit sowie bei leisen Pegeln eine undurchsichtige Wiedergabe zurück.

In der Standardausführung liefert Acapella die Fondato Silenzio in den Ma8en: 450 x 370 x 35 (B/T/H in mm). Ein Holzrahmen umschließt das patentierte Blei-Filz-Sandgemisch. Oben liegt eine von Hand plangeschliffene Aluminiumplatte auf. Dieser überaus kostenintensive Aufwand trägt entscheidend zur Wirkung bei, denn selbst eloxierte Oberflächen eignen sich laut Rudolph nicht für eine kraftschlüssige Verbindung. Zum Lieferumfang gehören vier Pucks mit definiertem Verhältnis von Höhe und Durchmesser.

Als klanglich vorteilhaft wirkt es sich aus, wenn sich der Masseschwerpunkt der Geräte im Zentrum der Pucks befindet. Wobei ich lediglich drei Pucks benutze. Die Nummer vier hat auch aus klanglicher Sicht nur Sinn, wenn sonst keine ausreichende Standsicherheit erreicht werden kann. Allerdings gibt es in diesem Punkt sehr unterschiedliche Meinungen. So schwören einige Besitzer der Fondato Silenzio bei ihren Röhrengeräten auf sechs Pucks. Das zeitraubende Experimentieren bleibt also niemandem erspart. Es macht sich übrigens sehr wohl bemerkbar, ob vorne nur ein und hinten zwei Pucks Verwendung finden oder die Anordnung umgekehrt erfolgt. Ist zudem der Innenaufbau der Komponenten bekannt, empfiehlt Rudolph, nach Möglichkeit die Positionen der einzelnen Baugruppen zu berücksichtigen. Störempfindliche Punkte seien beispielsweise bei CD-Playern vor allem das Laufwerk, das Netzteil und der Digital-Analog-Wandler.

Kommentar

Im Gegensatz zu vielen anderen auf dem Markt erhältlichen Produkten leitet eine Fondato Silenzio nicht nur bestimmte Frequenzen ab, sondern zieht in Verbindung mit den Pucks jegliche Resonanz aus dem Innern der Geräte von außen heraus. Diese Technik entspricht in etwa der eines sehr effektiv arbeitenden Saugkreises. Die zu erzielenden klanglichen Verbesserungen sind durch die Bank bei allen Komponenten sehr hoch: In der Kombination mit den vor mir sehr geschätzten Copulare-Racks geradezu erschreckend.

Entgegen der Empfehlung von Acapella habe ich doch mit dem CD-Spieler begonnen. Die Base, so die Warnung Rudolphs, trage zu einem wesentlich besseren Impulsverhalten der Primärquelle bei.

Und diese Dynamik könne nachgeschaltete Komponenten überfordern. Ja! Genauso ist es. Das Klangbild driftet ins Harsch-Helle ab.

Neue Vorgehensweise: Zuerst die Gerätefüße der Endstufen abschrauben. Sie sind fast immer etwas höher als die Pucks (auf Anregung vom Hörerlebnis werden diese ab sofort in unterschiedlichen Größen angeboten). Unter Umständen ist dieser Eingriff bei komplexen Aufbauten ein abendfüllendes Programm. Daran schließt sich die Vorstufe an, wobei ausgelagerte Netzteile auf eine eigene Base gehören. Erst dann sind Primärquellen wie Plattenspieler und CD- Player an der Reihe. Wenn man es auf die Spitze treiben will, legt man zusätzlich zu den unteren Basen weitere oben auf die Geräte auf. Meine 911-Monoblöcke verlieren in einem solchen Fall einiges vom optischen Reiz und erinnern mich irgendwie an Cheeseburger, doch ist die Wirkung der zweiten Base erstaunlich und in ihrer Summe – wenngleich klanglich anders – nicht geringer als die der ersten zu bewerten (In Planung ist zur Zeit der Big Block, der die klangverbessernde Aufgabe einer zweiten Base auf dem Gerät übernehmen soll). Was heute in meinem Hörraum spielt, ist keinesfalls mit der alten Anlage zu vergleichen. Die Unterschiede durch die Basen sind gewaltig. Sie verhelfen zu einem saubereren, räumlicheren und lebendigerem Klangbild. Ich habe inzwischen eine faszinierende holografische Dreidimensionalität erreicht, die vor dem geistigen Auge das Wandern zwischen den Musikern erlaubt.

Sehr schön lassen sich bei Lynni Treekrems (Hautgussa, Kirkelig Kulturverksted FXCD 159, ARS/ Hamburg) "Vond Dag" die jeweiligen Veränderungen nachvollziehen. Sobald die Endstufen auf den Basen stehen, ist das Klangbild vor allem bei leisen Lautstärken viel durchsichtiger. Mir kommt es so vor, als wenn sich ein leichter Resonanznebel auflöst. Tatsächlich hat sich mein Verhältnis zu lauten Pegeln schlagartig verändert, was ganz besonders zu fortgeschrittener Uhrzeit von meiner Familie begrüßt wird. Lynni Treekrems Stimme ist jetzt plastischer und das weit im Hintergrund losdonnernde Baßgewitter wesentlich sauberer. Hinzu kommt ein gerüttelt Maß mehr an Schubkraft.

Im einem zweiten Schritt werden Vorstufe und externes Netzteil entkoppelt. Das Klanggeschehen konzentriert sich einerseits mehr auf die Mitte zwischen den Lautsprechern, ohne aber andererseits in der Breitenstaffelung abzunehmen, was zu einer angenehmen Homogenität und mehr Ruhe bei der Abbildung beiträgt. Ohne die Base unter dem externen Netzteil verschoben sich Interpreten in der Vergangenheit immer ein wenig nach links. Die notwendige Balancekorrektur vollzog ich anhand der kleinen, für jeden Kanal getrennten Output-Regler auf der Oberseite des Burmester-808 MK III. Auch dieses Problem existiert nicht mehr. Lynni Treekrems steht jetzt nämlich mittig und unverrückbar auf dem Punkt, während ihre Stimme an Volumen und Wärme zulegt.

Jetzt erst weiß ich auch die Qualitäten meines CD-Players richtig einzuschätzen. Er scheint neben den Endstufen am anfälligsten für Resonanzen zu sein. Die Musik atmet richtig auf, wird klarer und erhält einen anderen Charakter. Der Raum dehnt sich in alle Richtungen – auch nach oben und unten – weiter aus und bildet die Grundlage für den insgesamt phantastisch holografischen Eindruck. In ähnlicher Weise reagieren Linn LP12 und Netzteil Lingo auf die Veränderungen. Das ist überaus erstaunlich und versöhnt mich mit den schottischen Mimosen.

Und wir legen noch mal zu: zusätzlich zu den unteren kommen zwei weitere Basen auf die Endstufen. Jetzt geschieht etwas, daß schwer zu beschreiben ist. Die Stimme der skandinavischen Sängerin bekommt eine Seele. Wer diese Erkenntnis, vorausgesetzt man hört nicht oberflächlich, für sich gewonnen hat, will nicht mehr darauf verzichten.

Die Erfahrungen, die ich mit den Fondato Silenzio sammeln konnte, haben mich auch in meiner persönlichen HiFi-Entwicklung vorangebracht. Ich empfehle heute jedem, der sich nach neuer Elektronik umschauen möchte, sich zuvor diese Basen bei einem Händler auszuleihen. Nur wer ein optimal aufbereitetes Signal zur Verfügung stellt, ist anschließend in der Lage, den Klang seiner Komponenten und seien es Kabel richtig einzuschätzen. Als völlig überflüssig stellen sich nun meine Bemühungen heraus, die Boxen auf dem Parkettboden immer wieder aufs Neue zu entkoppeln, um einen konturierteren Baß zu erhalten. Da dröhnt und wummert jetzt nichts mehr. Wer zudem einen Vollverstärker sein eigen nennt, kann mit einer noch größeren Wirkung auf einen Schlag rechnen, die sich bei meiner Kette aufgrund der getrennten Geräte erst sukzessive einstellte.

Ich will aber noch einige Worte zur Preisgestaltung verlieren. 1.600 DM für eine Base ist kein Pappenstiel. Da viele Arbeitsschritte per Hand erfolgen und nicht unerhebliche Patentgebühren anfallen, scheint mir die Kalkulation aber gerechtfertigt. Für das kostspielige Unterfangen spricht auf jeden Fall der klangliche Zugewinn, der sich nicht in Nuancen abspielt, sondern die Kette auf ein anderes Niveau katapultiert. Es gibt eine Reihe von gut klingenden wie empfehlenswerten und dazu noch preiswerteren Alternativen auf dem Markt. Doch keine mir bekannte erreicht im Gesamtergebnis die hohe Qualität der Fondato Silenzio. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang gern an meinen alten Physiklehrer, dessen Kommentare mir noch heute unvergeßlich sind: "Da hat endlich jemand ’mal bis zu Ende gedacht. Klassenbester! Setzen."

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