Testbericht

Basisarbeit

von Bernd Theiss für AUDIOphile • 03/99 • Test: Acapella Fondato Silenzio

Jahrelang hat Alfred Rudolph an dem Geräte-Untersatz Fondato Silenzio entwickelt. Zahlt sich die Arbeit an der Basis aus?

Bauteile, die von Wechselstrom durchflossen werden, beginnen zu vibrieren und regen ihre Umgebung gleich mit zum Schwingen an. Soweit die Theorie, die jeder bestätigt findet, der einmal gehört hat, wie ein kurzgeschlossener Röhrenverstärker selbst Musik wiedergibt. Alfred Rudolph, Entwickler der Firma Acapella Audio Arts, sah in diesen von HiFi-Geräten erzeugten Vibrationen schon lange einen begrenzenden Faktor auf dem Weg zu sauberem Klang. Wen wundert es da, dass er mit den Basen Fondato Silenzio etwas entwickelt hat, das diesen Störenfrieden den Garaus machen soll. Um die Richtigkeitdes eingeschlagenen Weges zu untermauern, verweist Rudolph auf eine Studie und das Patent, das ihm für seine Erfindung erteilt worden ist. Auch wenn ich den Einfluss von durch Bauteile verursachten Vibrationen unter normalen Betriebsbedingungen für klein halte, gibt es noch eine andere Art der Schwingungsanregung, die sich negativ bemerkbar machen kann - den Luftschall. Durch ihn verursachte Störungen sind so gut dokumentiert, dass sie sogar einen eigenen Namen erhalten haben: Mikrofonie. 

Nicht überzeugt hat mich die Studie, die im Internet unter http://www.acapella.de nachzulesen ist. Abgebildet ist da unter anderem die Messung einer mechanischen Schwingung auf dem Deckel eines CD-Laufwerks. Bei dieser handelt es sich zweifelsfrei um eine Zylinder-Welle. Völlig unverständlich ist das Fehlen von Reflexionen an den Gehäusekanten des CD-Players. Nachfragen bei einem der Autoren ergab, dass es sich durchaus auch um eine elelktromagnetische Welle handeln könnte, die da gemessen wurde - in der Studie ist das mit keinem Wort erwähnt. 

Einleuchtender erscheint mir da schon die Konstruktion der Basen, über die das Patent ausführlich Auskunft erteilt. Unter der aus Aluminium bestehenden Deckelplatte befindet sich eine Schicht aus Blei. Zwischen den beiden Metallen ist eine Anzahl von Kammern angeordnet, die mit Filz bestückt sind. Nach unten hat das Blei eine kammartige Struktur. Der Hohlraum zwischen dem Boden der Base und dem "Kamm" ist mit Quarzsand gefüllt. Eine Konstruktion, die Sinn macht: Die beschwerte Deckelplatte hat eine tiefe Eigenresonanz und kann somit Schwingungsenergie gut aufnehmen. Diese wird dann über den Kamm in Richtung Sand abgegeben und durch Reibung zwischen den einzelnen Sandkörnern in Wärme verwandelt. Dem Filz schließlich kommt die Aufgabe zu, diskrete Resonanzen der Metallplatte zu bedämpfen. Über drei Aluminium-Zylinder, die am besten unter stark vibrierenden Bauteilen (Trafo, CD-Laufwerks-Motor) zu platzieren sind, wird die HiFi-Komponente an die Basis angekoppelt. Äußerlich vermittelte die Fondato Silenzio, die je nach Größe zwischen 1450 und 2500 Mark kostet, mit ihrem aus Birne, Buche natur oder Buche schwarz gefertigten Holzrahmen und der blanken Alu-Oberfläche einen schlichten, aber hochwertigen Eindruck. 

Schon beim ersten Hören mit einer Anlage, die aus Sonys Super-Audio-CD-Spieler SCD-1, dem Vorverstärker/Raumentzerrer Ascendo DASK (siehe Trendreport ab Seite 154), den Endstufen Accuphase M-2000 und den Lautsprechern Ascendo System M bestand, offenbarte der Einsatz der Basen einen deutlichen klanglichen Gewinn. Nachdem alle Komponenten auf den Fondato-Silenzio-Plattformen abgestellt waren, zeigte sich das Klangbild viel aufgeräumter; musilklische Strukturen waren müheloser nachvollziehbar, und auch die dynamische Spannweite hatte klar gewonnen. Am hörbarsten profitierten dabei der SACD-Spieler und der Vorverstärker von der Anwendung der Basen. So war mir beim Test in AUDIO S/99 beim Sony aufgefallen, dass die Wiedergabe der SACD-Schicht einer Hybrid-SACD den Zugang zu komplizier tem musikalischem Material gegenüber dem CD-Layer erheblich vereinfachte. Mit der Fondato Silenzio im CD-Modus legte der SCD-1 gerade in dieser Disziplin erheblich zu: Die Intentionen der Musiker waren deutlicher zu erfahren, der Aufbau eines Stückes erschien mir folgerichtiger. Geschlagen geben musste sich allerdings auch diese Kombination dem SCD-1 im SACD-Modus und ohne Basis. Insbesondere die Natürlichkeit und Musikalität des hochauflösenden Mediums setzte hierbei eigene Maßstäbe.

Der Vergleich zweier CD-Player mit einer Preisdifferenz, die etwa den Kosten einer Fondato Silenzio entspricht, erschien mir sinnvoll, um ein Gefühl für das Preis-/Leistungs-Verhältnis der Acapella-Basen zu bekommen. Der Marantz CD-67 OSE (um 800 Mark) und der CD-17 Mk II (um 2200 Mark) aus gleichem Hause boten sich hier an, da beide mit zum Besten gehören, was in der jeweiligen Preisklasse zu haben ist. An Ani Di Francos Doppel-CD "Living in Clip" mussten sich zuerst beide CD-Player ohne Basen-Unterstützung messen. Die ersten drei Stücke dieser CD sind sehr unterschiedlich aufgenommen, wobei "What- ever" leicht belegt, "Wherever" beängstigend real klingt und "Gravel" schließlich ein wenig zu Härte und Spröde neigt. 

Beide CD-Player brachten diese Unterschiede deutlich zu Tage, wobei der große Marantz seinen kleineren Bruder in allen klanglichen Disziplinen eindeutig distanzierte. War der CD-67 OSE allerdings auf eine Fondato Silenzio gestellt, so relativierten sich die Vor teile des großen CD-Players. Zwar konnte er noch immer durch luftigere und ausgedehntere Höhen und unvergIeichlichen Charme in der Wiedergabe brillieren - mehr Struktur brachte jedoch der Basen-bewehrte CD-67 OSE ins Klangbild. Die rhythmischen Feinheiten der Schlagzeugarbeit, die in Ani Di Francos Musik eine so herausragende Rolle spielt, kam bei ihm auf den Punkt genau sowie sehr dynamisch und sicherte der Kombination CD-67 OSE mit Fondato Silenzio letztendlich ein Patt zum CD-17 Mk Il. 

Für alle, die mit ihren HiFi-Komponenten sehr zufrieden, einer Verbesserung im Klang aber nicht abgeneigt sind, stellen die Fondato-Silenzio-Basen von Acapella ein sicherlich interessantes Zubehör dar.

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